Zwei Brüder mit Handwerk im Blut

Klaus Kuhn würde sicher ohne Zögern zustimmen, unterstellte man ihm ein bewegtes Leben. Denn bis zur Gründung seiner Edelstahlgießerei und auch in den Jahren danach, ist er einen langen, oft steinigen Weg gegangen. Wir erzählen die Geschichte von zwei Brüdern, die mit ihrer Leidenschaft zum Handwerk unser international agierendes Unternehmen aufgebaut haben. Weiterlesen

Die Gründung der Klaus Kuhn Edelstahlgießerei fällt in eine Zeit, in der wirtschaftlich nichts unmöglich scheint. Wer hart arbeitet, kann in den 1950er und 60er Jahren selbst mit wenig Kapital an diesem „Wunder“ teilhaben und ein profitables Unternehmen auf die Beine stellen. Einen nicht unerheblichen Anteil an diesem wirtschaftlichen Aufschwung hatten die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen aus den östlichen Provinzen des nicht mehr existierenden Deutschen Reiches.

Aller Anfang ist schwer

Zu diesem Personenkreis zählt auch Familie Kuhn. In ihr hält sich seit Generationen Handwerkstradition: Bernhard Kuhn, Vater von Hans (1929-2020) und Klaus (1931-2003), ist gelernter Dreher. Die Großväter verdienten ihr Geld als Installateur und Tischler. Auch Hans und Klaus Kuhn wählen später einen handwerklichen Beruf, doch bis dahin soll es ein beschwerlicher Weg werden. Aufgewachsen im Krieg ist Klaus Kuhn 13 Jahre alt, als er durch die Kinderlandverschickung 1944 von seiner Familie getrennt wird. Die nächsten Jahre verbringt er in einem Kinderheim in Schleswig-Holstein, bis sein Bruder ihn zurück zu seiner Familie holen kann. Währenddessen wird der Heimatort der Familie, Elbing in Westpreußen, von der Roten Armee erobert. Sie verlassen die Stadt als Vertriebene – es geht in den Westen Deutschlands. Zu diesem Zeitpunkt nicht nur ohne Sohn Klaus, sondern auch ohne Vater Bernhard, der nach dem Einmarsch der Russen interniert worden ist. Aber die Kuhns halten durch – und das soll sich lohnen: 1947 ist die Familie wieder vereint und findet in Radevormwald eine neue Heimat.

Die Arbeit zahlt sich aus

Ab jetzt geht es bergauf – und zwar in beeindruckender Schnelligkeit und Konsequenz. Mit dem nachgeholten Schulabschluss in der Tasche, wird Hans Werkzeugmacher und schließt ein Ingenieursstudium an, Klaus macht eine Lehre als Dreher. Für die erste Berufserfahrung sorgt Vater Bernhard noch selbst im eigenen Betrieb. Seine bescheiden eingerichtete Dreherei soll zum Vorläufer des heutigen Unternehmens Kuhn Edelstahl werden. Unter Mitarbeit seines Sohnes Klaus werden hier Edelstahlgussteile bearbeitet und wichtige Kontakte in die Branche geknüpft.  Hans arbeitet sowohl bei seinem Vater als auch bei einem Unternehmen aus der Nachbarstadt als Ingenieur in der Konstruktion und später in der Verkaufsabteilung. Am 01. November 1960 gründet Klaus Kuhn schließlich sein eigenes Unternehmen zur Bearbeitung von Edelstahlgussteilen.

Klaus Kuhn

Doch auch die Konkurrenz schläft nicht. Und so soll die Dreherei nicht das einzige Zugpferd des Unternehmens bleiben, Klaus Kuhn will mehr: Er konstruiert seine erste eigene Schleudergussmaschine, Bruder Hans Kuhn kauft für 4.000 DM einen alten ausrangierten Graphitstabofen von der Bergischen Stahlindustrie in Remscheid. Das Fundament der Edelstahlgießerei ist gelegt. In Eigenregie verhilft Klaus Kuhn der ersten Schleudergussmaschine aus den Kinderschuhen und entwickelt den Prozess, auf dem der Unternehmenserfolg beruht.

Rotation statt Stillstand

Ausruhen? Das ist nichts für Klaus Kuhn. In den Folgejahren entwickelt er den komplexen Herstellungsprozess immer weiter, die Reinheit und Qualität des Gussmaterials wird gesteigert und eine computergestützte Produktion und Fertigung eingeführt. Klaus Kuhn holt sich familiäre Hilfe ins Unternehmen: Bruder Hans unterstützt früh seine ersten Schritte in die Selbstständigkeit und beginnt 1965 seine Tätigkeit im Unternehmen. Er bildet den kaufmännischen Gegenpol zu seinem Bruder Klaus und führt die Verwaltung der Edelstahlgießerei. Bis 2000 arbeitet er aktiv im Familienunternehmen und stand seinem Neffen Andre Kuhn weitere 20 Jahre unterstützend zur Seite. Gemeinsam bringen die Brüder ihre Edelstahlgießerei durch die Wirtschaftskrise in den 1970er Jahren, erweitern die Produktpalette, feiern ausgelassene Feste mit den Mitarbeitern und ein kontinuierliches Wachstum in der Branche. Aus dem kleinen Drei-Mann-Betrieb ist in 60 Jahren Firmengeschichte ein modernes, international agierendes, mittelständisches Industrieunternehmen geworden, dessen Entstehung dem Mut, der Zuversicht und Leidenschaft seines Gründers zu verdanken ist.

Hans Kuhn

Diese Einstellung dem eigenen Unternehmen, den Mitarbeitern und der gesamten Branche gegenüber hat Klaus Kuhn an seinen Sohn Andre weitergegeben: Seit 1995 treibt er den Erfolg der Klaus Kuhn Edelstahlgießerei weiter voran und beschloss somit in diesem Jahr sein 25-jähriges Firmen-Jubiläum – aber das ist eine eigene Geschichte.

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