Achtsam arbeiten

Berge voll Arbeit verhindern den Schlaf. Ärger keimt im Stillen. Man weiß nicht mehr, wo der Kopf steht. Viele Menschen kennen dieses Gefühl von Zeit zu Zeit. In einem mehrwöchigen Achtsamkeitsseminar lernten zehn Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen, wie sie mit Achtsamkeitsübungen den Stress bewältigen können. Das Seminar führte die Trainerin Meike Ludwigs von der Kalapa Academy durch. Es beinhaltete Theorie und Praxis. Ein Bericht eines Teilnehmers. Weiterlesen

Was ist Achtsamkeit? Klar, Yoga kennt jeder und fast jeder kann sich etwas darunter vorstellen. Aber selbst wenn der Begriff „Achtsamkeit“ gerade Trend ist, zucken viele mit den Schultern, wenn es darum geht, ihn mit Leben zu füllen. Das war bei mir und den weiteren Seminar-Teilnehmern nicht anders. Achtsamkeit, so erfuhren wir, gilt als sanfte Möglichkeit, den Widrigkeiten des Alltags zu trotzen. Die Techniken helfen beim Entspannen und Stressabbauen – sogar ganz ohne Yoga-Matte. Der Ansatz zielt darauf ab, wieder mehr im Hier und Jetzt zu leben. Eine wichtige Methode hierbei ist die Meditation. In vielen Meditationsrunden übten wir, uns auf den Augenblick zu konzentrieren und – wenn möglich – an nichts zu denken. Dieses „An-nichts-Denken“ fiel mir äußerst schwer. Aber, so die Seminar-Leiterin, ein großer Schritt ist schon getan, wenn wir uns des gegenwärtigen Geisteszustands bewusst sind. Denn „Sich-bewusst-Sein“ ist ein wesentlicher Bestandteil eines achtsamen Lebens und Arbeitens. Entscheidungen reflektieren statt überhastet losrennen. Körpersignale wahrnehmen. Verständnis für den Arbeitskollegen gewinnen. Was so selbstverständlich klingt, ist – wie wir alle wissen – im Alltag manchmal sehr schwer, es erfordert Training.

Ein Gespräch ohne „Aber“

Eine Übung war beispielsweise, mehrere Minuten an der frischen Luft spazieren zu gehen und sich dabei nur auf einen einzigen Sinn zu konzentrieren, das Riechen, Sehen oder Fühlen. Ich kann jedem empfehlen, dies einmal in seiner Freizeit zu machen.

Achtsam zu leben, heißt nicht nur, achtsam mit sich selbst umzugehen, sondern auch mit seinen Mitmenschen. In der Kommunikation heißt dies, vorurteilsfrei zu sein und zuzuhören. Auch dies übten wir in dem Seminar. So hatten wir die Aufgabe, in Zweierteams eine Diskussion über ein kontroverses Thema zu führen. Die beiden Teampartner vertraten jeweils eine unterschiedliche Position. Die Aufgabe bestand darin, das Gegenüber aussprechen zu lassen und das Wort „Aber“ bei Einwänden zu vermeiden. Sollte machbar sein, oder? Oft unbewusst, reflexhaft rutschte mir ein „Aber“ immer wieder heraus, was mich doch sehr amüsierte. Auch hier rate ich, diese Übungen einmal selbst durchzuführen.

Bleibe ich achtsam?

Lassen sich die Erfahrungen und Übungen in den Arbeitsalltag überführen? Was bleibt nach einigen Wochen? Alles wie gehabt bei mir? Hektisch. Stressig. Diese Fragen habe ich mir vorher gestellt. Meine Antwort: Nein, ich spüre eine deutliche Entlastung. Die gelernten Dinge wende ich regelmäßig im Arbeitsalltag an. Hier einige Beispiele:

E-Mails: Wenn ich eine in meinen Augen schroffe E-Mail erhalte, frage ich mich, ob diese wirklich böse gemeint ist, vielleicht der Zeitnot des Anderen geschuldet ist oder ich sie falsch interpretiere.

Mitarbeitergespräche: Bei Gesprächen kalkuliere ich genügend Zeit für die Kolleginnen und Kollegen ein. Die Zeit ist vorhanden (was mir vorher nicht bewusst war).

Teamarbeit: Ich schätze meine Kolleginnen und Kollegen wert. Das ist ein wichtiger Baustein für erfolgreiche Teamarbeit. Denn Wertschätzung zahlt sich aus. Die Projekte laufen reibungsloser und stressfreier.

Aufgaben: Bei einem „Berg voll Aufgaben“ erledige ich die Arbeit Schritt für Schritt. Es hilft nichts, immer an den Gipfel zu denken. Das Ziel muss und kann ich nicht immer an einem Tag erreichen.

Für mich, und ich glaube, ich kann hier auch für die anderen Teilnehmer sprechen, hat sich das Seminar sehr gelohnt. Natürlich haben wir nicht alles über Achtsamkeit gelernt, aber das ist auch nicht das Ziel. Jeden Tag lernen wir, jeden Tag machen wir neue Erfahrungen. Diese achtsam anzunehmen, ist eine lebenslange Aufgabe. Und das macht die Achtsamkeit so spannend.

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